Wetterchaos

Wetterchaos

29. Oktober 2021 0 Von Hans

29. Oktober 21, Sizilien – Licata, Tag 497, 3379 sm von Stavoren

Seit einer Woche haben wir auf Sizilien ein Wetter, das uns an spätherbstliche Tage auf dem Ijsselmeer erinnert, nur deutlich heftiger. Seit Tagen ziehen Tiefs aus Osten auf die Insel zu, die sinnflutartige Regenfälle und Starkwinde mit sich bringen.

Letze Woche Donnerstag und Freitag waren wir noch mit den Kindern in Catania. Am Donnerstag herrliches Sommerwetter, am Freitag bewölkt, aber kaum Regen. Was dann am Samstag an Regen dort niederging, kann man sich nicht vorstellen. Der Fischmarkt, den wir tags zuvor noch besucht haben, war vollkommen überflutet, das Wasser schoss durch die Straßen und Autos wurden mitgerissen. Der Schaden war beträchtlich.

Dann hat es den Süden erwischt – auch hier „Land unter“. Kaum hatte sich die Wetterlage wieder etwas beruhigt, zog ein neues Unwetter auf die Ost- Südost-Seite Siziliens durch.

Ihr werdet es kaum glauben, von alledem haben wir hier in Licata so gut wie nichts abbekommen. Dank des Bergrückens, der sich längs über Sizilien erstreckt, wurden die Tiefdruckgebiete nach Süden abgelenkt. Einzig, dass wir mehr Wolken als Sonnenschein hatten und die Temperaturen, insbesondere nachts deutlich unter die 20°C Marke fielen.

Und als wäre das nicht schon genug, hat sich seit gestern vor Catania ein Medicane zusammengebraut. Der Begriff „Medicane“ setzt sich aus „mediterran“ und „Hurricane“ zusammen. Offiziell spricht man ab mittleren Windgeschwindigkeiten von 112 Kilometer pro Stunde von einem Medicane. Dieser entsteht, wenn über dem noch warmen Mittelmeer große Wassermassen verdunsten und sich mächtige Gewitterwolken bilden. Durch die Drehung der Erde werden diese in Rotation versetzt. Abwärts gerichtete Luftströmungen in deren Zentrum lösen dort die Wolken wieder auf und das auch für Medicane typische windschwache Auge entsteht.

Dieser Medicane hat Windstärken an die 60 kn im Gepäck und bringt noch einmal erhebliche Regenfälle mit. Auch muss an der Ostküste mit Wellen über 4 m Höhe gerechnet werden. Wenn die Wettervorhersagen die Zugbahn richtig vorhergesagt haben, dann wird Appollo nicht direkt auf die Küste treffen sondern schon vorher nach Süden abbiegen und sich abschwächen. Dennoch rechnet man für die Region mit weiteren erheblichen Schäden.

Und in Licata bekommen wir glücklicherweise mal wieder von dem ganzen Chaos nur Dauerregen von über 24 Stunden ab. Seit gestern Nacht regnet es hier in Strömen. Gott sei Dank haben wir dabei kaum Wind. Und da wir ja auf der BIJOU sind, können wir auch nicht absaufen.

Auch wenn wir auf unserer gesamten Reise noch keinen Tag hatten, an dem es so lang geregnet hat, so lässt es sich doch hier gut aushalten. Und mit der Wahl für Licata als Winterquartier haben wir bis jetzt wohl ein gutes Händchen gehabt. Drückt uns die Daumen, dass das auch bis zum Frühling so bleibt.