Überfahrt von Sardinien nach Menorca

28. August 2022 0 Von Hans

27.08.22, Sardinien-Menorca, Mahon, Tag 799, 4414 sm von Stavoren

Die Wetterprognosen waren nicht optimal, aber immer noch besser als in der Langzeitprognose der nächsten 7 Tage (sehr schwache Winde, z.T. auch gegenan). Vorhergesagt für unsere Überfahrt war ein Mistral, der sich aber ca. 50 sm vor unserer Kurslinie deutlich abschwächen sollte. Das Wetterrouting sagte maximalen Böen von 24 kn voraus. Bis wir aber in das Windfenster kommen sollten, hieß es noch ein abziehendes Tiefdruckgebiet mit sehr schwachen Winden aus West unter Maschine zu durchqueren. Ab 16:00 Uhr sollten wir dann segeln können. Leider sagten die Prognosen aber auch, dass der Wind nicht bis zu unserem Ziel anhalten sollte, deutlich abschwächend und wieder nach West drehend. Für die Mittagszeit waren dann noch Gewitter angesagt, die von Mallorca nach Menorca ziehen, sich aber auf dem Weg deutlich abschwächen sollten.

Wenn es so kommen sollte, dann können wir mit den Bedingungen gut leben. Wir rechnen mit einer Fahrtzeit unter 40 Stunden. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn bräuchten wir ca 38 Stunden, bei 6 kn nur 32 Stunden. Schön, aber wegen der Gewittervorhersagen für Menorca sollten wir auch nicht zu schnell sein. Ihr seht so ein Wetterrouting ist gar nicht so einfach und dann muss man ja immer damit rechnen, dass alles ganz anders kommt.

Wir haben Glück gehabt, das Wetter kam exakt so wie vorausgesagt. Um 7:00 Uhr morgens hieß es Anker auf und mit Maschinenfahrt ging es in den Tag. Das Großsegel hatten wir schon einmal als Stützsegel gesetzt und weil es bei dem Seegang noch problemlos ging. Um 15:00 Uhr nahm der Wind dann langsam zu, blies aber immer noch aus West. Erst um 16:30 Uhr konnten wir dann die Maschine abstellen und mit Groß und Genua zunächst hoch am Wind, dann mit halbem Wind unseren Kurs fahren. Mit durchschnittlich 7,5 kn ging es jetzt flott voran in die pechschwarze Nacht. Leider ging dem Wind dann kurz vor Mitternacht die Puste wieder aus. Mit Segel und Motorunterstützung konnten wir dann noch bis 2:30 Uhr weiterfahren. Dann mussten wir die Segel bergen. Um 7:15 Uhr dann endlich wieder Wind, Segel gesetzt und ab ging die Post mit jetzt um die 8 kn Richtung Ziel. Problem war jetzt nur, dass wir viel zu früh auf Menorca ankommen und wohlmöglich noch in das vorhergesagte Gewitter. Um 11:30 Uhr, rund 25 sm vor Menorca ging der Wind dann auf unter 8 kn und der Himmel zog sich merklich zu. Also Maschine an, Segel geborgen und hoffen, dass uns das aufziehende Gewitter nicht erwischt. Je näher wir der Küste von Menorca kamen um so größer bauten sich dunkle Wolkentürme auf. Der Wind blieb schwach und als wir in den Fjord nach Mahon hineinfuhren, hätte ich gewettet, dass wir nicht trocken den Anker setzen werden.

Um 14:00 Uhr, nach exakt 31 Stunden viel der Anker in der sehr vollen Cala Teulera. Als wir die BIJOU klargemacht hatten, hatten sich auch schon die Gewitterwolken aufgelöst – Glück gehabt. Alles in Allem hatten wir eine sehr angenehme Überfahrt. Das Wetter kam genau so, wie vorhergesagt ohne irgendwelche Überraschungen. Gut so! Die 2-3 Tageprognosen sind doch schon recht genau geworden und treffen häufig zu – aber Achtung! Leider nicht immer.

So jetzt müssen wir uns erst einmal erholen und den fehlenden Schlaf nachholen. Und was ich noch erwähnen muss – heute gibt es doch keinen Thunfisch auf den Teller. Die gesamte Überfahrt haben wir die Schleppangel hinter uns hergezogen. Dann heute Morgen ein Biss und der Kampf mit dem Thun war eröffnet. Gute 200 m Angelschnur musste ich mühsam einholen und als der Thun dann 5 m vor unserem Heck war, spuckte er den Haken wieder aus und verschwand in der Tiefe des Meeres. Ich glaube gehört zu haben, wie der Thun noch zu mir sagte: Auf deinen Teller komme ich heute nicht. So steht es jetzt in meiner Hochseeanglerbilanz 1:1! Mal schauen, wer den nächsten Treffer landet 😊