Der Affenfels

Der Affenfels

28. April 2021 0 Von Hans

28. April 21, Gibraltar, Tag 311, 1885 sm von Stavoren

Nach ein paar sehr durchwachsenen Tagen mit wolkenverhangenem Himmel und immer wieder kräftigen Schauern haben wir heute das Wetterfenster, um den Affenfelsen zu erobern.

Der Fels – auch The Rock genannt – von Gibraltar kann auf drei Arten bezwungen werden.

  1. Die schweißtreibende Variante zu Fuß über die ehemalige Befestigungsmauer von Karl V. Dabei sind 426 Höhenmeter zu überwinden.
  2. Die bequemste jedoch auch kostspieligste Reise auf den Gipfel des Gibraltar-Felsens ist die Schwebebahn von den Alameda Gardens aus, die mitten in die Affenkolonie führt.
  3. Mit dem Taxi und einem sachkundigen Guide über enge Serpentinen die Bergstraße hinauf zu den vier Sehenswürdigkeiten des Rocks.

Wir haben uns für die Variante 3 entschieden, weil im Preis alle Eintrittsgelder der 4 Sehenswürdigkeiten enthalten sind, und wir während der Fahrt eine Menge an interessanten Informationen zum Rock und dem Staat Gibraltar erhalten haben. Auch ließ uns der Guide ausreichend Zeit, um alle Sehenswürdigkeiten in Ruhe anzuschauen. Der Kompromiss war, dass wir den Abstieg dann doch zu Fuß gemacht haben. Es hat sich gelohnt, die Aussicht war atemberaubend.

Aber der Reihe nach. Der erste Anlaufpunkt war die Südspitze des Rocks mit seinem herrlichen Blick über die Straße von Gibraltar. Afrika ist hier so nah.

Danach ging es zu der Tropfsteinhöhle La Cave, deren riesige „Eingangshalle“ auch als Konzertsaal genutzt wird. Bei unserem Besuch wurde die Halle gerade für die erste Aufführung nach Corona (Gibraltar ist der erste Staat in Europa, der alle Einwohner geimpft hat) hergerichtet. Was für ein Klang und eine Atmosphäre mögen das in einer solchen Höhle sein. Auch der Gang in die Tiefe der Höhle war spektakulär.

Am Ausgang der Höhle warteten schon die legendären Berberaffen, die dem Rock den Namen Affenfelsen gegeben haben. Tatsächlich leben an die 250 Berberaffen auf dem Felsen von Gibraltar, dies ist die einzige wildlebende Affenkolonie Europas. Wie die Affen auf den Felsen kamen, ist bis heute ein Rätsel. Vermutlich entwischten sie einem afrikanischen Tiertransport nach Spanien und begannen auf dem Gibraltar-Felsen ein neues Leben. Ein altes Sprichwort lautet, dass die Briten nur so lange den Felsen besetzen, wie die Affen hier sind. Dementsprechend werden sie nicht nur von den Touristen gehegt und gepflegt.

Der nächste Stopp war dann der Sky-Walk, ein gläserner Steg über einem Abhang an der Ostseite des Felsen. Ein herrlicher Blick auf das Mittelmeer tut sich von hier auf.

Die letzte Station, zu der uns unser Guide gebrachte, war das Tunnellabyrinth, das unter dem Namen The Great Siege Tunnels bekannt ist. Es ist das vielleicht eindrucksvollste von Menschen erdachte Verteidigungssystem.

Am Ende der Großen Belagerung 1783, sagte der geschlagene Befehlshaber der französischen und spanischen Truppen, nachdem man ihm die Festungen zeigte, die zur Niederlage seiner Truppen geführt hatte: „Diese Arbeiten sind der Römer würdig.” Diese Bemerkung hebt den Einfallsreichtum derer hervor, die gegen alle Wahrscheinlichkeit dem Ansturm der vorrückenden Truppen standhielten und trotzdem fähig waren, ein einzigartiges Verteidigungssystem zu schaffen, das ihnen den Sieg einbrachte.

Gerne hätte unser Guide uns zurück in die Stadt gebracht, aber wir wollten den Abstieg gerne zu Fuß machen um den herrlichen Ausblick auf die Bay von Gibraltar, den Yachthafen auf der spanischen Seite zu genießen. Und das Gibraltar auch ein wenig Mondän ist, zeigt sich auch darin, dass die Yacht von Abramovich z.Z. hier festgemacht hat.

Blick auf Gibraltar-Stadt und Hafen
Yacht von Abramovich – größte Privatyacht
Blick auf die Marina Alcaidesa – die BIJOU liegt am Steiger P11 😊

Die wunderschöne Tagestour haben wir dann bei Chips & Fish in der Stadt ausklingen lassen. Ein fast perfekter Tag, es fehlte nur der wolkenlose Himmel für noch eindrucksvollere Bilder.