6. Tag: Von Sizilien nach Sardinien

6. Tag: Von Sizilien nach Sardinien

13. Juni 2022 0 Von Hans

12.06.22, Sizilien – Trapani, Tag 725, 3565 sm von Stavoren

Heute ist es so weit, wir starten Richtung Sardinien. Der kräftige Wind hatte sich schon gestern deutlich abgeschwächt, nur stand noch eine recht hohe Welle vor dem Hafen. Heute Morgen sah das dann schon ganz anders aus. Der Seegang hat deutlich abgenommen und auf dem offenen Wasser sollten die Wellen nicht höher als 1,2 m sein. Leider hat sich die Windprognose nicht geändert. Maximale Windstärke 18 kn aber eben aus der Richtung, in die wir segeln wollen. Wir müssen uns auf eine Maschinenfahrt einstellen.

Um 7:30 Uhr holte der Wecker uns aus der Koje. Ein ausgiebiges Frühstück wollten wir uns für den 26 bis 30 Stunden Schlag noch gönnen. Die BIJOU hatten wir noch am Abend startklar gemacht. So mussten wir nur noch den Anker hieven. Ein mulmiges Gefühl hatten wir schon nach dem Erlebnis von gestern. Wer weiß, was wir heute alles an der Kette bzw. am Anker hängen haben. Glück gehabt, der Anker ließ sich problemlos einholen. Nur brachte er eine Menge an Schlamm mit nach oben. Trotz Kettendusche sah die BIJOU wie eine Matschkiste aus. Das musste erst einmal abgespült werden.

Im Hafen haben wir dann das Großsegel gesetzt, der Wind hatte auf nördliche Richtung gedreht. Um 9:50 Uhr haben wir die Molenköpfe von Trapani-Port passiert und vor uns liegen 158 sm.

Erste Versuche, mit Groß und Genua zu segeln, haben wir schon nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Wir konnten einfach keine akzeptable Höhe halten und die Geschwindigkeit lag bei unter 3 kn. So kommen wir am Montag nicht auf Sardinien an. Also Jockel an und das Groß als Stützsegel genutzt. Jetzt ging es flott voran. Anfangs mit 7 kn, die mit zunehmender Welle und Gegenstrom auf 6 kn abfiel.

Nach 3 Stunden Fahrt hatte sich das System eingespielt und wir beschlossen, die neue Hochseeangel auszuprobieren. Eine gute Stunde zogen wir den Köder, ein sehr schmucker Oktopus – einfach zum Anbeißen, hinter uns her. Wie immer passierte nichts. Vielleicht doch noch mal mehr Schnur geben. Ich schätze, dass wir so 200 m Angelschur ausgerollt hatten. Und keine 5 Minuten später fing die Rolle an zu surren. Ein Biss – wir sahen, wie ein Fisch kurz aus dem Wasser sprang und dann war Ruhe. Nur die Rute bog sich wie ein Flitzebogen. Mit langsamer Fahrt folgte der Fisch der BIJOU. Kein Ausreißen nach links oder rechts. Ich kurbelte, was das Zeug hält. Ganz schön anstrengend bis ca. 200 m Schnur wieder auf der Rolle sind. Erst auf den letzten Metern konnten wir erkennen, dass wir da einen ganz schönen Brocken an der Angel hatten. Immer noch relativ ruhig folgte der Fisch der BIJOU. Als wir ihn direkt am Heck hatten, erkannten wir, dass ein Blue Marlin gebissen hatte. Wir bekamen schon einen Schrecken, als wir sahen, wie groß unser Fang war.

Wie sollen wir den denn an Bord bekommen? Kurze Absprache mit Jürgen, ein beherzter Zug an der Angelschnur und ein kühner Griff von Jürgen und das Prachtexemplar lag an Bord. Erstaunlich wenig Gegenwehr hat der Blue Marlin gezeigt.

Als er da so auf dem Achterdeck lag, tat er uns schon leid. Aber jetzt gab es auch für den Fisch kein Zurück mehr.  Jürgen hat ihm beherzt mit einem Stich hinter den Kiemen das Leben ausgehaucht. Noch ein paar kräftige Schläge mit der Schwanzflosse und dann war Ruhe.

Und nun? Nie zuvor haben wir so einen großen Fisch gefangen. Dank der vielen guten Tipps von unserem Segelfreund Jost haben wir, bevor der Fisch an Bord kam, dass Teakdeck mit Seewasser gewässert. Das Ausnehmen des Fisches war schon recht martialisch. Viel Blut, die ganzen Innereien, einschließlich noch mehrerer kleiner Fische kamen zum Vorschein. Mit viel Wasser ließ sich das alles gut über Bord spülen.

Das Zerlegen des Fisches war dann gar nicht mehr so schwierig. Kopf ab, die Filets von der Rückengräte schneiden, säubern und portionieren. Da kommt schon eine ganze Menge zusammen. Wer soll das alles essen? Vier große Stücke haben wir uns für heute und morgen beiseitegelegt. Drei ordentliche Portionen eingeschweißt und eingefroren.

Jetzt freuen wir uns schon auf das Abendessen. Aber zunächst einmal hieß es wieder, sich auf unsere Fahrt zu konzentrieren. Mehrere Versuche zu segeln haben wir wieder aufgegeben. Bei jetzt gut 1,5 m See zu kreuzen, bedeutete, zu weit abzufallen. Ansonsten stampft sich die BIJOU in der Welle fest. Selbst unter Motor kamen wir aber auch wegen des Gegenstroms nicht über 4,5 kn. Am Nachmittag haben wir dann endgültig aufgegeben und das Groß geborgen.

Mit Maschinenfahrt und einer üblen Schaukelei durch eine sich bildende Kreuzsee quälten wir uns Meile für Meile dem Ziel entgegen. Um 20:00 Uhr haben wir dann unsere Fischfilets in die Pfanne gehauen. Nicht ganz einfach bei diesen Bedingungen. Was dann auf den Teller kam, war schon sehr schmackhaft. Ein wirklich leckerer Fisch, der sicherlich in der Zubereitung noch verfeinert werden kann. Aber das werden wir morgen, wenn wir vor Anker liegen, mal ausprobieren.