Zwischen Europa und Afrika

Zwischen Europa und Afrika

22. April 2021 0 Von Hans

22. April 21, Cádiz, Tag 305, 1885 sm von Stavoren

Bis gestern haben wir noch auf das Paket mit Ersatzteilen aus Deutschland gewartet, das an unseren TO-Stützpunktleiter Emilo adressiert war. UPS ist jetzt seit drei Tagen überfällig, wer weiß wann das Packet geliefert wird ☹. Länger können/wollen wir nicht mehr warten, denn am Donnerstag schließt sich unser Wetterfenster. Dann dreht der Wind von westlichen Winden auf Ost und nimmt auf Sturmstärke zu.

Um 7:00 heute früh waren die TJARK und die BIJOU startklar. Bei fast Windstille ging es unter Maschine raus auf die Bay von Cádiz und in die aufgehende Sonne. Wind war erst für Mittag angesagt und in der Straße von Gibraltar sollte er auf 5 Bft. zunehmen – bestes Segelwetter 😊

Cádiz in der Morgendämmerung

Das einzige Problem, das uns schon bei der Routenplanung Kopfzerbrechen bereitete, waren die NAVTEX-Warnungen zu den Schießzeiten in den „Military practice area“. Vor der gesamten Westküste schließt sich eine „Firing danger area“ an die andere. Ein Umfahren hätte unsere Etappe um über 50 sm verlängert. Nachfrage auf VHF-Kanal 74 bei Radio Cádiz ergab, dass man keine genauen Informationen hätte (sehr ungewöhnlich), aber dicht unter Land würde es schon möglich sein. Sicherheitshalber sollten wir aber kurz vor dem Start noch einmal nachfragen. Aber auch bei dieser Nachfrage bekamen wir keine eindeutige Antwort. Gesagt getan, wurde der Kurs halt dicht unter Land abgesetzt. Die Hinweise auf VHF 16 bzgl. der Schießgebiete, die wir kreuzten, haben wir einfach mal ignoriert. Wir gehen davon, dass Ziele weit auf dem Meer ins Visier genommen werden und nicht unsere Boote dicht unter Land. Und sollte es für uns gefährlich werden, dann sind wir die ersten, die vom Militär angefunkt werden. Wir sind ja auf dem Radar und per AIS für alle sichtbar.

Als wir gegen 14:00 Uhr Trafalgar querab hatten und in die Straße von Gibraltar einbogen, waren wir endlich aus diesen Sperrgebieten heraus. Schemenhaft konnten wir mit Blick nach Süden zum ersten Mal die Konturen der afrikanischen Küste sehen.

Afrika

In diesen Augenblicken wurden Geli und mir klar, wie weit wir schon gekommen sind. Ein wirklich schönes Gefühl, hat doch bis hierher alles wirklich prima geklappt. Mit jeder Meile weiter nach Osten laufen die beiden Kontinente Europa und Afrika immer dichter zusammen. Als wir Tarifa querab haben, liegen zwischen Europa und Afrika mal gerade 8 sm!

Zwischen Europa und Afrika

Vom Cabo Tarifa an konnten wir dann endlich den Motor abstellen und mit achterlichem Wind unter Genua nach Gibraltar segeln. Immer in Begleitung mit der Segelcrew von der TJARK.

Um 18:00 Uhr öffnete sich dann die Bucht von Gibraltar mit dem Blick auf den Affenfelsen. Imposant, wie sich das Cabo Gibraltar urplötzlich vor einem auftut.

Gibraltar

Gegen 19:30 Uhr haben wir dann, bei immer mehr auffrischendem Wind in der Marina Alcaidesa (auf der spanischen Seite, direkt neben der Landebahn) sicher festgemacht.

Reede vor Gibraltar

Jetzt sind wir im Mittelmeer angekommen! Auch wenn das Mittelmeer ursprünglich nicht auf unserer Reiseplanung stand, so freuen wir uns jetzt doch umso mehr auf viele neue schöne Destinationen – aktuell aber erst einmal auf Gibraltar. Und wenn der erste Blick am Morgen von der BIJOU so ausfällt, dann steht einem ein weiterer schöner Tag bevor.

P.S. gerade bekommen wir die Nachricht von Emilio – das Packet ist angekommen!