Es geht endlich weiter

11. Juni 2021 0 Von Hans

11. Juni 21, Cartagena, Tag 355, 2146 sm von Stavoren

Am Montag kam dann endlich unsere Kühlwasserpumpe in Almerimar an. Da das Wetterfenster am Dienstag so halbwegs passen würde und wir gerne unsere Seglertruppe bald wiedersehen wollten, beschlossen Geli und ich, frühmorgens um 3:00 Uhr abzulegen. Unser Ziel die 110 sm entfernte Hafenstadt Cartagena.

Leider war zunächst absolut kein Wind, so dass wir mal wieder unter Maschine fahren mussten.  Als es gegen 6:00 langsam hell wurde, nahm der Wind zu, kam aber jetzt genau  gegenan. Am Cabo Gata hatten wir dann schon Wind um die 20 kn vor der Nase und eine kurze steile See. Die BIJOU kämpfte sich tapfer durch, aber nur noch mit 4,5 kn durchs Wasser. So verging Stunde um Stunde. Unseren Zeitplan konnten wir so nicht mehr halten und da wir nicht mitten in der Nacht in Cartagena ankommen wollten, haben wir uns entschlossen, Garrucha anzulaufen. Garrucha ist ein Industriehafen und entsprechend unattraktiv. Da wir uns hier nur eine Mütze Schlaf holen wollten, sind wir auch gar nicht mehr von Bord gegangen.

Um 6:30 klingelte dann schon wieder der Wecker und um 7:00 Uhr zeigte der Bug der BIJOU direkt auf Cartagena. Ihr werdet es nicht glauben, aber der Wind kam tatsächlich aus N, so dass wir schnell unsere Segel gesetzt haben. Endlich mal wieder segeln 😊. Nach einer halben Stunde schlief der Wind wieder komplett ein, Segel runter und der Motor musste wieder ran, so ein Sch…. ☹

Nach 8 Stunden Fahrt entlang einer wunderschönen Steilküste waren wir dann in der Anfahrt auf Cartagena. Über WhatsApp hatten wir Kontakt mit Claudia und Gordon von der GLEC, die unmittelbar vor der Hafeneinfahrt zusammen mit Petra und Tom von der Santos in der Cala Cortina vor Anker lagen. Um 15:00 Uhr fiel auch der Anker unserer BIJOU in dieser herrlich geschützten Bucht. Nach dem Aufklarieren kamen dann die vier zu einem kurzen Schnack an Bord. Der Abend wurde geplant und gerne sind wir der Einladung gefolgt, auf der GLEC zu Abend zu essen. Bevor es aber so weit war, konnten wir nicht widerstehen in das tiefblaue 25° warme Wasser zu springen. Ja ihr habt richtig gelesen – auch Geli war im Wasser!

Am nächsten Morgen sind wir dann mit unseren drei Schiffen in die Marina eingelaufen, um noch ein paar Reparaturen, die auf allen Schiffen anstanden, durchzuführen – auf der BIJOU in der Hauptsache der Außenborder, der einfach nicht laufen wollte. Und ohne einen funktionierenden Außenborder kann man nicht zu den Balearen segeln, da wir hier überwiegend vor Anker liegen werden.

Ein Mercury-Händler war schnell gefunden, nur wollte man uns kurzfristig auch hier keinen Mechaniker zur BIJOU schicken. Diesen Monat auf keinen Fall mehr. Auch reden mit Engelszungen brachte uns nicht weiter, außer, dass die Kontaktdaten ausgetauscht wurden. Ihr werdet es nicht glauben aber 3 Stunden später klingelte das Telefon und der Mechaniker kündigte sich für die nächste halbe Stunde an.

Aber auch der Fachmann war ratlos, warum der Vergaser nach dem Start mit Benzin volllief. Alle möglichen Ursachen wurden überprüft, so, wie wir das in Almerimar auch gemacht haben – aber ohne Erfolg. Dreimal hat er den Vergaser ein- und ausgebaut. Als er schon fast aufgeben wollte, kontrollierte er noch einmal die Dichtung im Vergaserdeckel und siehe da, diese war an einer Stelle undicht. Problem nur, eine neue Dichtung hatte er nicht auf Lager. Ich war davon überzeugt, dass damit die Reparatur beendet ist und wir warten müssen, bis wir eine neue Dichtung bekommen. Aber unser Mechaniker suchte in seinem Auto nach einem Stück Gummi und schnitze daraus eine neue Dichtung. Gordon und ich, die erstaunt alles beobachteten, schauten uns nur an und meinten beide: „Das kann nichts werden!“

Nach weiteren 15 Minuten war der Vergaser wieder zusammen- und eingebaut. Jetzt der spannende Moment. Einmal am Startseil gezogen und der Motor sprang an und ….  lief und lief und tuckerte ruhig vor sich hin 😊. So haben wir hier in Cartagena unseren MacGyver gefunden – Danke!

RIBB – jetzt mit funktionierendem Motor

Sobald wir eine neue Dichtung haben, wird das Provisorium ausgetauscht, auch wenn ich jetzt davon überzeugt bin, dass die Dichtung ewig hält.

Übrigens, die erste Probefahrt mit dem neuen Dingy war schon krass. Schon nach kurzem Gas geben kommt das RIBB ins Gleiten und saust – besser fliegt über das Wasser. Kein Vergleich zu unserem alten Schlauchboot.