4. Tag: Von Sizilien nach Sardinien

4. Tag: Von Sizilien nach Sardinien

10. Juni 2022 0 Von Hans

10.06.22, Sizilien – Trapani, Tag 723, 3484 sm von Stavoren

Geweckt von dem heulenden Wind, hieß es erst einmal die Lage checken. Die BIJOU lag trotz Böen von über 35 kn sehr ruhig am Anker. Lange Kette – ruhiges Schiff, da ist schon was dran.

Nach dem Frühstück wollten wir den Tag gemächlich angehen lassen. Wir beschlossen, dass ich den Schalter wieder zurückgeben und Jürgen die Pentry wieder in Ordnung bringen wollten. Reichlich Abwasch von zwei Tagen hatte sich aufgestaut.

Der Umtausch war kein Problem und ich bekam mein Geld zurück. Noch ein paar frische Lebensmittel besorgt und gut eine Stunde später war ich wieder auf der BIJOU. Ich hatte gerade alle Sachen verstaut, fiel mir auf, dass die Druckwasserpumpe ansprang, obwohl kein Wasser abgenommen wurde. Nichts Besonderes, aber als die Pumpe nach kurzer Zeit wieder und wieder ansprang, kam mir die Sache komisch vor. Muss doch irgendein Wasserhahn offen sein. Alle Hähne überprüft – alle Hähne zu. Jetzt war mir klar, wir haben ein Problem.

Da es die Süßwasserpumpe war, muss es sich um ein Leck im Süßwasserkreislauf handeln. Ein Blick in die Bilge zeigte, da stand schon ordentlich Wasser drin. Auch die Motorbilge war randvoll mit Wasser gefüllt. Damit war klar, dass Wasser kommt von achtern. Zum Glück kann man auf einem Schiff die Druckpumpe abstellen und den Wasserkreislauf über einen Wasserhahn drucklos machen. Dann kann kein Wasser nachfließen.

Somit hatten wir Zeit, uns in Ruhe auf Fehlersuche zu begeben. Dazu musste erst einmal die rappelvolle Backskiste komplett ausgeräumt werden. Nachdem ich alle Bodenbretter entfernt hatte, konnte ich alle Leitungen abfühlen. Kein Wasseraustritt zu erkennen. Also wieder Druck auf die Leitung und siehe da, hinter  mir plätscherte das Wasser aus dem ersten Vorfilter meiner Entsalzungsanlage.

Jetzt will ich nicht mit Details meiner Installation der Entsalzungsanlage langweilen, aber was für die Leckage die Ursache war, ist und bleibt für mich ein Rätsel. Nur so viel: Ich hatte die Filter, als ich die Entsalzungsanlage für den Winter konserviert hatte, abgebaut und gereinigt. Sowohl die Salz- als auch die Süßwasserzufuhr über Kugelhähne geschlossen. Alle Hähne waren geschlossen und dennoch trat auf einmal Wasser aus dem offenen Filter aus. Nachdem wir erst einmal die Filter wieder angebracht und somit den Wasserkreislauf geschlossen hatten, habe ich den Süßwasserhahn bei Druck einmal geöffnet und Wasser lief ein – soweit ok. Jetzt wieder geschlossen, nun kam kein Wasser mehr – so wie es sein sollte. Warum auf einmal nach über 6 Monaten Wasser durch den geschlossenen Hahn kam, erklärt sich mir nicht. Jetzt funktioniert alles wieder tadellos.

Für uns stand jetzt die aufwendige Arbeit an, dass Wasser wieder aus dem Bauch der BIJOU zu holen. Hier hat mal wieder der Nasssauger gute Dienste geleistet. Fast 100 L Wasser haben wir so aus der Bilge gezogen. Jetzt ist die BIJOU wieder trocken und wir schweißgebadet.

Wenn wir schon mal einen ruhigen Tag einlegen wollen, dann kommt mit Sicherheit irgendetwas dazwischen. Quasi, für uns zur Entspannung, haben wir dann noch meine neue Hochseeangel zusammengebaut. Fast 800 m Leine mussten aufgespult werden. Gar nicht so einfach, da die Leine immer unter Zug gleichmäßig auf der Rolle verteilt werden muss.  Dann noch einen Oktopus-Köder vorbereitet und jetzt sollte es was werden mit dem Fang unseres ersten Thunfisches. Ich bin gespannt, wann ich davon berichten kann. Unseren Plan, morgen nach Sardinien aufzubrechen haben wir jetzt endgültig, nach ausführlichem Studium der Wettersituation, auf Sonntag verschoben. Zwar soll der Wind deutlich abnehmen, fast schon zu viel, so das Segeln kaum noch möglich ist und dann weiterhin überwiegend aus nordwestlichen Richtungen wehen, also fast genau gegenan. Darauf haben wir uns mittlerweile schon eingestellt, soll es doch die ganze kommende Woche kaum anders werden. Wir werden wohl die meiste Zeit, wenn nicht die gesamte Strecke unter Maschine fahren müssen. Was uns aber am Start gehindert hat, ist die Welle, die sich in den zwei Starkwindtagen aufgebaut hat und mit bis zu 2 m Höhe ebenfalls aus NW läuft. Hier würde sich die BIJOU feststampfen und kaum noch Fahrt über Grund machen. Das macht dann wirklich keinen Spaß mehr.