Geli ist wieder an Bord

Geli ist wieder an Bord

19. August 2022 0 Von Hans

19.08.22, Sardinien, Die Nordküste, Tag 792, 4164 sm von Stavoren

Fast zweieinhalb Monate habe ich Geli nicht mehr gesehen, umso größer war die Freude, als ich Geli am Mittwoch den 10.08. 22 um kurz 18:30 Uhr am Flughafen in Olbia wieder in die Arme schließen konnte.

Jetzt sind wir beide optimistisch, dass Geli an Bord gut zurechtkommt. Jeder Schritt auf der BIJOU muss erst einmal wieder neu angenommen werden. Unsere Absprache ist, dass fürs erste die Rollen an Bord neu verteilt werden. Ich werde soweit es möglich, die BIJOU Einhand segeln und Geli wird, wenn sie es sich zutraut, eine Aufgabe nach der anderen wieder übernehmen. Fürs erste steht sehr defensives Segeln an.

Nachdem Geli ihre Sachen an Bord verstaut hatte, haben wir den Abend an Olbias Flaniermeile bei einem guten Essen ausklingen lassen. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück, noch einmal die Vorräte an Lebensmitteln aufgefüllt und dann hieß es auch schon: Leinen los, auf in den Golf von Aranci.

Hier haben wir uns mit Seglern aus Licata getroffen und ein paar schöne Tage gemeinsam verbracht. Neben Werkeln an der BIJOU (siehe nächster Blogeintrag) kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Einen netten Abend bei uns auf der BIJOU und am Sonntag das Fischereifest waren kurzweilige Stunden.

Gleich am Morgen nach der ersten Nacht vor Anker, wurden wir von einem heftigen Gewitter um 6:00 in der Früh geweckt. Mit Böen an die 50 kn, sintflutartigem Hagelschauer, grellen Blitzen und ohrenbetäubendem Donner zerrte die BIJOU an ihrem Ankergeschirr. Nach gut einer halben Stunde war der Spuck wieder vorbei – bei uns ist alles gut gegangen. Nicht so bei anderen Seglern. An mehreren Schiffen sind die Anker ausgebrochen. Die Boote konnten aber alle unter Maschine ins freie Wasser flüchten. Auf anderen Schiffen waren ein Vorsegel und ein Genacker ausgerollt und in Fetzen zerrissen. Auch wurde das eine oder andere Dingy oder Stand-Up-Paddel gesucht. Letztendlich aber sind alle noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.

Nachdem wir unsere Arbeiten an der BIJOU endlich abgeschlossen hatten und sich das Wetter wieder ein wenig beruhigt hatte, hieß es am Dienstag Anker auf, mit dem Ziel so weit wie möglich nach Westen zu kommen. Nur unter Maschine ging es bei sehr wenig Wind gut voran. Erst als wir dem Maddalena-Archipel näherkamen, nahm der Wind stetig zu und kam genau von vorn. Also weiter unter Maschine durch die Meerenge vom sardinischen Inselfestland und den vorgelagerten Inseln. Hier in dem Kanal pfiff der Wind dann ordentlich gegenan und die zahlreichen Motoryachten unter Vollspeed erzeugten eine Welle, so dass wir den Eindruck hatten, wir wären im Schleudergang einer Waschmaschine. Erst als wir wieder ins offene Wasser kamen, beruhigte sich das Wellenchaos.

Nach einem kurzen Tankstopp im Hafen von Santa Teress Gallura ging es weiter auf die Rückseite des Capo Testa in die Ankerbucht La Colba. Hier viel der Anker nach 40 sm in kristallklarem türkisblauem Wasser.

Unser Reiseplan sieht vor, dass wir uns jetzt zügig auf die Westseite der Insel Sardinien verholen wollen, um von Alghero aus den Absprung nach Menorca zu nehmen.

Da für den Nachmittag des kommenden Tages zunehmender Wind und für Freitag ein ordentlicher Mistral mit starken Sturmböen und reichlich Gewitter im Gepäck vorhergesagt war, haben wir für Donnerstag bis Samstag einen Liegeplatz in Castelsardo reservieren lassen.

So entschlossen wir am Mittwochmorgen schon um 6:00 aufzustehen und vor dem angekündigten Wind, der ab Mittag zu erwarten war, in Isola Rossa anzukommen. Hier hätten wir zwei Optionen, entweder in die Marina zu gehen oder in einer sehr geschützten Bucht vor Anker.

Landmarke auf der Isola Rossa
So klares Wasser in unserer geschützten Ankerbucht

Um 9:00 Uhr nahm der Wind dann schon deutlich zu. Nur mit Genua lief die BIJOU aber recht flott voran, so dass wir, nachdem wir uns von der Lage der Ankerbucht La Marinedda überzeugt hatten, um 10:00 Uhr den Anker auf 7 m Sand fallenließen.

Gut, dass wir hier einen so geschützten Ankerplatz gefunden hatten. Der Wind nahm im Tagesverlauf stetig zu und erreichte am Abend Windstärken von über 7 bft. In der Nacht beruhigte sich dann das Ganze wieder.

Da aber auch für den kommenden Tag das gleiche Szenario vorhergesagt war, beschlossen wir, den Wecker auf 7:00 Uhr zu stellen um gegen 10:00 Uhr im gut 10 sm entfernten Castelsardo anzukommen.

Bei fast spiegelglatter See liefen wir gegen 7:30 Uhr aus der Ankerbucht aus. Der Wetterbericht sagte zunehmende Winde für den Nachmittag voraus, also genug Zeitpuffer für eine problemlose Fahrt.

Knapp eine Stunde später verdunkelte sich der blaue Himmel zusehend und eine schwarze Wolkenfront kam auf uns zu. Laut Wetterbericht verschiedener Vorhersagemodelle war das so nicht angesagt. Schnell nahm der Wind zu. Ich konnte noch so gerade die BIJOU sturmsicher machen, da wehte es auch schon mit an die 40 kn aus Schauerböen. Mit langsamer Maschinenfahrt stampfte die BIJOU sicher durch die aufgewühlte See. Nach gut 45 Minuten war der Spuk vorbei und der Wind nahm wieder deutlich ab. Auf dem Wetterradar war gut zu erkennen, dass nur wenige Seemeilen von uns entfernt eine heftige Gewitterzelle durchgezogen war.

Wie ich dann später aus den Nachrichten erfahren sollte, waren dies die Ausläufer eines Gewittersturmes über Korsika mit Orkanböen von über 220 km/h!, schrecklichen Verwüstungen und mehren Todesopfern. Was für ein Glück – da fragt man sich, wie man da heile wieder herauskommen soll, wenn so ein Gewitter einen auf See erwischt.

Schon von Weitem konnten wir die Altstadt von Castelsardo, die an einem steilen Berghang liegt ausfindig machen.

Castelsardo

Um kurz nach 10:00 Uhr und Wind um die 12 kn liefen wir in die Marina Castelsardo ein. Über UHF 09 Kontakt mit dem Marinero aufgenommen, bekamen wir die Anweisung noch ein wenig zu warten, da er noch weitere Boote zu ihren Liegelätzen führen musste. Nach gefühlten 10 Hafenrunden und wieder deutlich zunehmenden Wind kam dann der Marinero zu uns längsseits. Da für unsere BIJOU wegen der Schiffsbreite kein Platz an den Stegen mehr war, durften wir längsseits an der Kaimauer anlegen. Obwohl jetzt auflandiger Wind war, klappte das Anlegemanöver mit freundlicher Unterstützung der Staffs perfekt.

Ein idealer Platz für die nächsten Starkwind- und Gewittertage, da der Wind dann aus Westen und somit für unseren Liegeplatz ablandig kommt. Jetzt heißt es erstmal hoffen, dass das Wetter nicht ganz so schlimm ausfällt wie vorhergesagt. Aber hier in diesem geschützten Hafen fühlen wir uns sicher und hoffen, dass wir noch ein wenig von der schönen Altstadt sehen können.